Schmuck -> Historie

Abb. Die Schalenperlen aus der Blombos-Höhle
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Die Schalenperlen aus
der Blombos-Höhle

Schmuck ist so alt wie die Menschheit. Schon seit Urzeiten war es den Menschen ein Bedürfnis sich zu schmücken. Am Anfang waren es die Körperbemalungen mit Naturfarben, welche aus dem Pflanzensaft, zerriebener Erde oder diverser Gesteine gewonnen wurde. Dies wird auch heute noch bei den Naturvölkern so gehandhabt. Im Lauf der Geschichte des Menschen wurde aus den freien Formen und Farben auch eine Symbolik entwickelt, die den gesellschaftlichen Status des Einzelnen darstellte. So war es bei vielen Völkern nur bestimmten Personen vorbehalten sich mit ausgewählten Materialien und Formen zu schmücken. In der Frühgeschichte der Menschen war es hauptsächlich Standesvertreter wie Häuptlingen und Medizinmännern erlaubt, sich zu bestimmten Anlässen und Riten entsprechend zu schmücken. Erst viel später haben die Menschen begonnen ich aus Federn, Knochen oder Steinen Schmuckstücke anzufertigen. Eine Voraussetzung für die Entwicklung der Kunst im weitesten Sinne, war übrigens das Sesshaftwerden der Menschen.

Aus Verzierungen an Gebrauchsgegenständen entwickelte sich der Wunsch Dinge zu schaffen, die ohne praktischen Nutzwert schienen. Das Schmücken als "Selbstzweck" entstand erst nach Jahrhunderten und erreichte seinen bisherigen Höhepunkt in der Zeit der Könige und Kaiser. In unserer modernen Zeit wich der Selbstzweck des Schmückens. Schmuck wurde eingesetzt um sein Empfinden für Schönheit und Ästhetik auszudrücken. Dabei gibt es keine Einschränkungen oder Verbote, Unmögliches und Mögliches zu kombinieren. Allein der individuelle und charismatische Ausdruck der Persönlichkeit - und manchmal die Brieftasche - setzen dem Wunsch sich zu schmücken Grenzen.

Zeittafel

2,5Mio v. Chr.

Die Steinzeit ist die älteste und längste Epoche der Menschheitsgeschichte, die mit der ersten Produktion von Steinwerkzeugen vor circa 2,5 Millionen Jahren begann und bis zum ersten Gebrauch von Metall zwischen etwa 4.000 und 2.000 v. Chr. dauerte. Seit Anbeginn der menschlichen Kultur wurde Schmuck getragen. Unabhängig welches Volk oder welche regionale Gruppe man betrachtet, immer findet man das Bedürfnis, sich selbst zu verschönern. So haben sich unterschiedliche Stile entwickelt, die manchmal durch Handel oder kriegerische Besetzung vermischt wurden. Unser Wissen über Schmuck aus dem Altertum beschränkt sich fast ausschließlich auf Stücke, die mit ihren Besitzern in Gräber gelegt oder in Zeiten des Krieges versteckt wurden. Daher kennen wir natürlich nur einen Bruchteil der in dieser Zeit üblichen Schmuckstücke und Anhänger. Dennoch lässt sich mit solchen Funden die Entwicklung unterschiedlicher Stile und Bearbeitungsweisen verfolgen, die mit primitiven Schmuckstücken einfacher Volksgruppen begann und ihren ersten Höhepunkt bei den weit entwickelten Kulturen im Nahen Osten und in Ägypten fand.

Bevor die Menschen Metall formen oder Steine ritzen konnten, schmückten sie sich mit einfachen Perlen, die sie aus Samen, Beeren und Muscheln herstellten. Bereits 30.000 Jahre v. Chr. trugen die Jäger in verschiedenen Regionen Europas Anhänger, die sie aus den Zähnen und Knochen ihrer Jagdbeute herstellten und die möglicherweise nicht nur als Schmuck, sondern auch als Talisman verwendet wurden, um eine gute Jagd zu sichern. Als sich die technischen Möglichkeiten so weit entwickelten, dass Steine gebohrt und durch Einritzen verziert werden konnten, stieg die Anzahl an verschiedenen Schmuckstücken. In den Ausgrabungen der ersten menschlichen Siedlungen findet man meist weiterhin vor allem Steinperlen, und diese Gestaltungsform genügte den Verschönerungswünschen der Menschen für die nächsten 20.000 Jahre. Es wurden in dieser Periode kaum andere Schmuckformen entwickelt, außer das die Form der Perlen immer gleichmäßiger wurde und sie mit unterschiedlichen Oberflächenmustern verziert wurden. Die nächste Stufe der Schmuckherstellung wurde erst eingeleitet, als der Mensch die Metallverarbeitung erfand.

4000 v. Chr.

Abb. zeitgenössische ägyptische Darstellung
Abb. zeitgenössische
ägyptische Darstellung

Schmuck spielte ab dem 4. Jahrtausend in allen Bereichen des ägyptischen Lebens eine wichtige Rolle und verlieh den einfachen weißen Leinengewändern, die damals getragen wurden, einen farblichen Akzent. Außerdem war Schmuck im damaligen Totenglauben von zentraler Bedeutung, und aufgrund dieser ägyptischen Begräbnisrituale sind sehr viele Stücke aus dieser Zeit erhalten geblieben. Ägypten und die weiter südlich gelegenen Regionen waren im Altertum die wichtigsten Goldquellen und die Mumien der Pharaonen konnten daher reichlich mit diesem Material ausgestattet werden. Die Toten wurden üppig mit Schmuck eingekleidet, wobei üblicherweise Stücke mitgegeben wurden, die der Verstorbene auch zu Lebzeiten getragen hatte. Es wurde allerdings auch Schmuck speziell für das Begräbnis gefertigt, den man meist an der Verwendung von dünnerem Blattgold erkennen kann. Auch die Sarkophage wurden auf dem Deckel und seitlich üppig mit Gold verkleidet. Sogar arme Ägypter wurden zusammen mit ihren Ketten begraben. Im Laufe der Jahrhunderte wurden so gewaltige Mengen an Schmuck begraben. Das meiste davon wurde später von Grabräubern aber wieder entwendet und eingeschmolzen.

Die Arbeit der ägyptischen Schmuckmacher konzentrierte sich vor allem auf die Herstellung bestimmter Amulettformen. Die Auswahl an möglichen Motiven war daher eingeschränkt, aber die Stücke hatten alle eine magisch-religiöse Bedeutung, die bei weitem wichtiger war als der rein dekorative Wert des Schmuckstücks. Das verbreitetste Symbol war der Skarabäuskäfer, der die Sonne und die Schöpfung im Allgemeinen symbolisierte. Das sogenannte Udjat-Amulett stellte dagegen das Auge des Himmelsgottes Horus dar und sollte seinen Träger vor dem bösen Blick beschützen. Außerdem waren Sonnenscheiben und Lotusblüten beliebte Motive, beides Symbole für die Wiederauferstehung, so wie die Sonne jeden Morgen über dem Nil erneut aufgeht und sich die geschlossenen Lotusblüten in ihrem Licht öffnen. Häufig wurden auch die verschiedenen ägyptischen Gottheiten, gekreuzte Knoten und Hieroglyphen in Schmuckform dargestellt. Auch der Einsatz von Farben in der Schmuckgestaltung hatte symbolische Bedeutung. Ägyptischer Schmuck war intensiv gefärbt, wobei einige wenige Grundmaterialien für diese Farbvielfalt eingesetzt wurden, wie z.B. blauer Lapislazuli, hellblauer Türkis, grüner Feldspat und roter Karneol - alle diese Mineralien wurden direkt in Ägypten gefördert, mit Ausnahme des Lapislazuli, der aus Afghanistan importiert werden musste. Laut dem ägyptischen Totenbuch stand die Farbe Dunkelblau für den Nachthimmel, während Grün Wachstum und Auferstehung symbolisierte und Rot als Farbe des Blutes Energie und Lebenskraft repräsentierte. Die verschiedenen Mineralien wurden entweder zu Perlen verarbeitet oder in eine bestimmte Form geschnitten und dann als farbige Fläche in den Schmuck eingesetzt. Oft wurden auch künstliche Ersatzmineralien verwendet, die entweder aus gefärbtem Glas oder spezieller Keramik bestanden, einem stark glänzenden Material, welches leicht gefärbt und geformt werden konnte und so praktisch jeden echten Schmuckstein ersetzen konnte.

Breite Halsbänder, die sogenannten Wesekh, gehörten zu den beliebtesten ägyptischen Schmuckstücken. Sie bestanden aus Bändern, auf die zylindrisch geformte Perlen gefädelt waren, welche nach ihrer Größe und Farbe angeordnet wurden. In der Mitte des Halsbandes befanden sich die größten und am intensivsten gefärbten Perlen, und gegen die beiden Ränder hin wurden die Perlen immer kleiner und farblich blasser, bis das Halsband schließlich in zwei Schließen endete, die entweder halbkreisförmig oder als Falkenköpfe gearbeitet waren. Diese Art des Halsbandes scheint zum ersten Mal in der vierten Herrscherdynastie (2.613-2.494 v. Chr.) aufgekommen zu sein und blieb von da an während der kompletten weiteren Herrscherzeit der Pharaonen sowohl bei Frauen als auch Männern beliebt. Während der sogenannten Amarna-Periode (1.380-1.350 v. Chr.), in der kurzzeitig ein naturalistischer Stil in Ägypten aufkam, wurden diese Halsbändern mit bunt gefärbten Keramikperlen in Form von Blättern, Blüten und Früchten verziert. Neben diesen Halsbändern wurden von ägyptischen Männern außerdem Verzierungen auf den Brustpanzern getragen, während die Frauen große Anhänger an Perlenketten um den Hals hängen hatten. In beiden Fällen wurden meistens symbolisch bedeutsame Motive umgeben von rechteckigen Rahmenmustern verwendet, aber im Grab des Tut-anch-Amun wurden unter den 26 beigelegten Brustplatten auch Verzierungen ohne Rahmen gefunden, was für diese Zeit ein völlig neuer Stil war. Diese Brustplatten im neuen Design zeigten auf der vorderen Rüstungsplatte Symbole, die mit eingelegten farbigen Mineralien verziert waren, während die hintere Rüstungsplatte das identische Motiv als ziselierter Umriss aus reinem Gold wiederholte. Um diese vergleichsweise schlichte Darstellung auf dem Rücken auszugleichen, trug man offensichtlich einen kleineren Anhänger um den Hals, der nicht vor der Brust, sondern vor dem Rücken hängend angelegt wurde. Außerdem wurden in der damaligen Zeit einfachere Halsketten getragen, deren Perlen aus gefärbtem Stein oder aus Keramik bestanden und als Kaurimuscheln, Fische oder Blüten geformt waren.

Während der gesamten Herrschaftszeit der Pharaonen waren Armreifen beliebt, meist wurden sie paarweise an beiden Armen und oft gemeinsam mit passenden Oberarmreifen getragen. Ursprünglich waren diese Armreifen als einfache Spangen ausgeführt, aber ab 2.000 v. Chr. finden wir Armreifen mit Schnallenverschlüssen. Am häufigsten bestanden die Armreifen aus aufgefädelten Perlen, die in verschieden farbigen Bereichen angeordnet waren. Zwischen diesen Bereichen befanden sich goldene Abstandhalter, und der Verschluss der Armreifen war ebenfalls aus Gold verziert mit Einlegearbeiten gefertigt. Oft waren dieser Armreifen ziemlich groß: Jeder der beiden Armreifen der Prinzessin Sit-Hathor-Yunet (1.850 v. Chr.) bestand aus 37 Perlenreihen aus Türkis und Karneol. Solche breiten Armreifen blieben lange in Mode, und um 1.540 v. Chr. wurden sogar Versionen mit einem Gelenkverschluss entwickelt, die aus massivem Gold bestanden.

Abb. Grabmaske Tutanchamun
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Grabmaske Tutanchamun

Die goldene Grabmaske des Pharaos Tutanchamun 1922 entdeckten Howard Carter und Lord Carnarvon im Tal der Könige die Gruft des jungen ägyptischen Königs Tutenchamun. Zur Zeit seines Todes im Jahre 1.327 v. Chr. hatte die ägyptische Schmuckherstellung ihren Höhepunkt erreicht, und daher finden sich im Grab des Pharaos die beeindruckensten Schmuckstücke, die uns aus der ganzen Herrscherperiode von 3.100 bis 343 v. Chr. erhalten geblieben sind. Mit ihren intensiven Farben und der starken symbolischen Bedeutung stellen diese Schmuckstücke den Höhepunkt der traditionellen Schmuckherstellung dar, deren Anfänge bis in die sogenannte badarianische Kultur zurückreicht, die vor der Zeit der Pharaonen ab 4.000 v. Chr. in Ägypten vorherrschte. Schon diese frühe Kultur fertigte breite Hüftgürtel aus einer Vielzahl von Bändern, auf die Perlen aus Steatit gefädelt wurden, einem sehr weichen Stein, der einen sanften Grünton besitzt. Außerdem wurden zu dieser Zeit Armspangen aus Elfenbein und Amulette aus Muscheln gefertigt.

3000 v. Chr.

Abb. Goldschmuck aus Troja
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Goldschmuck aus Troja

Eine große Menge an Schmuck aus der Zeit 3.000 v. Chr. wurde 1873 von Heinrich Schliemann entdeckt, als er das antike Troja in der nördlichen Türkei freilegte. Angeregt durch die Erzählungen in Homers Illias, glaubte Schliemann zunächst, er habe den legendären Schatz des Königs Priamus gefunden, der im Jahre 1184 v. Chr. während der Belagerung von Troja versteckt worden sein soll. Die Schmuckstücke waren aber viel älter und stammen aus dem zweiten Jahrtausend v. Chr. Die beeindruckensten Stücke aus diesem Fund sind zwei kompliziert aufgebaute Diademe, die aus zwei Reihen feiner Ketten bestehen, an denen über die gesamte Länge tausende kleine Goldstücke in Blattform angebracht sind. Diese Goldverzierungen lagen wie kurze Fransen über der Stirn der Trägerin und verlängerten sich zu den Seiten hin, um dort wie goldene Kaskaden auf die beiden Schultern herabzufallen. Neben diesen Diademen wurden eine Kette, sechs Armbänder, sechzig Ohrringe und über achttausend Fingerringe gefunden.

2600 v. Chr.

Goldbecher aus Vaphio
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Goldbecher aus Vaphio

Nach dem mythischen König Minos wird die antike Kultur Kretas der Bronzezeit als minoisch, kretisch-minoisch oder kretominoisch bezeichnet. Im Unterschied dazu heißt die etwa zeitgleiche Kultur des griechischen Festlandes helladisch. Die minoische ist die früheste Hochkultur Europas.

Von der Kunstfertigkeit der Minoer zeugen insbesondere die minoischen Palastanlagen in Knossos, Phaistos und Malia. Zahlreiche kunstvolle Wandfresken und filigrane Siegel sowie vielfältiger Goldschmuck bezeugen den hohen Entwicklungstand der minoischen Kultur. Es wurden überwiegend Draht-, Ketten und Treibarbeiten durchgeführt, aber auch die Gravur- und Ziseliertechnik war bekannt.

Zu den häufigsten Schmuckstücken zählten Anhänger, Armbänder, Diademe, Haarschmuck, und Gewandschmuck bei denen sehr häufig Perlen mit verarbeitet wurden. Die bedeutendsten Fundstücke dieser Zeit sind sicherlich der Goldbecher von Vaphio und die Biene von Malia. Die Biene von Malia ist ein Anhänger in der Form zweier Hornissen und ist im Heraklion Nationalmuseum zu besichtigen.

2500 v. Chr.

Im Jahre 2.500 v. Chr. war die minoische Kultur auf der Mittelmeerinsel Kreta bereits gut etabliert. Ihr Zentrum befand sich auf dem östlichen Ende der Insel in der Gegend um Mochlos, wo geübte Schmuckmacher importiertes Gold nutzten, um einfache Diademe, Anhänger und Haarnadeln mit Gänseblümchenmotiven aus flach gehämmertem Metall herzustellen. Über die Schmucktradition des mittleren minoischen Reichs (2.000 - 1.600 v. Chr.) ist wenig bekannt, da dieses Zeitalter durch schreckliche Erdbeben praktisch ausgelöscht wurde. Einer der schönsten minoischen Anhänger stammt aus einem Grab aus dieser Zeit und zeigt zwei Bienen, die um eine kreisförmig dargestellte Honigwabe herum angeordnet sind. Überbleibsel aus der minoischen Endzeit (1.600 - 1.110 v. Chr.) zeigen, dass zu dieser Zeit dann neue Materialien neben Gold zur Schmuckherstellung genutzt wurden, wie z.B. Lapislazuli und gefärbte Keramik. Außerdem findet man Stücke, die neue Techniken wie Filigranarbeiten und Besatz mit Goldkügelchen zeigen und durch ägyptische Motive beeinflusst wurden.

Um 2500 v. Chr.

Krone der Königin Pu-abi
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Krone der Königin Pu-abi

Die Kultur der Sumerer im südlichen Mesopotamien hat uns einige der ältesten Beispiele für Goldschmuck hinterlassen, die aus der zeit um 2.500 v. Chr. stammen und als Grabbeigaben in den Königsgräbern in Ur gefunden wurden. Die extravaganten Begräbniszeremonien bei Hofe verlangten, dass Diener, Wachen und Musiker mit ihrem gestorbenen Herrn begraben wurden, und es wurden daher große Mengen an Schmuck der unterschiedlichsten sozialen Schichten in diesen Gräbern gefunden. Der Schmuck bestand aus Gold, Lapislazuli, Karneol und Achat. Seine feine Machart zeigt, dass damals bereits eine lange und geübte Tradition in der Schmuckherstellung vorhanden war. Die Techniken zur Metallbearbeitung waren einfach und effizient: Bänder, Scheiben und blättrige Formen wurden aus Blattgold ausgeschnitten, und den Goldblättern wurde eine Struktur eingestanzt, die an Blattadern erinnert. Steinperlen wurden mit einer Vielzahl an Mustern verziert und waren in sattem Rot und Blau gefärbt, wobei dazwischen auch goldene Perlen zum Einsatz kamen, bei denen die Steinperle mit Blattgold überzogen wurde. Die beeindruckensten Schmuckstücke fand man im Grab der Königin Pu-abi, die eine Robe trug, die über und über mit Perlen besetzt war und an der Schulter mit drei Goldnadeln zusammengehalten wurde. Sie trug mehrere Halsketten, einen Gürtel und einen Strumpfhalter, die alle mit verzierten Steinperlen besetzt waren, große halbmondförmige Ohrringe und einen Ring an jedem Finger. Neben ihr wurde ein komplizierter Kopfschmuck gefunden, der aus Bändern bestand, auf die röhrenförmige Perlen aufgefädelt waren, und der mit Scheiben aus Gold und Lapislazuli und Girlanden aus Goldblättern verziert war. Der Oberteil dieses Kopfschmucks bestand aus verflochtenen Goldbändern, auf denen eine große Krone mit drei stilisierten Goldblüten thronte. Mit der Königin wurden ihre 63 Bediensteten begraben, wobei die Dienerinnen Haarbänder aus Goldblättern, Ohrringe, Halsbänder, Ketten, Armbänder und Ringe trugen, während ihre männlichen Diener Ohrringe, Ketten, Oberarmbänder, Unterarmbänder und Verzierungen auf ihren Brustpanzern als Schmuck angelegt hatten.

2.000 v. Chr.

Abb. Zeitgenössischer Ring mit Skarabäusmotiv
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Zeitgenössischer Ring
mit Skarabäusmotiv

Ab dieser Zeit wurden in Ägypten auch Ringe getragen, vor allem Skarabäusmotive waren beliebt, die zugleich auch als Siegelringe verwendet wurden. Der Skarabäuskäfer auf diesen Ringen war üblicherweise aus einem Schmuckstein geschnitzt und auf seiner Unterseite mit der Hyroglyphe des Schmuckmachers versehen. Anfangs wurden diese Käferdarstellungen der Länge nach durchbohrt und an einer Leinenschnur um den Finger getragen. Sehr bald wurde dieser Leinenfaden dann durch einen Golddraht ersetzt. Ab 1.500 v. Chr. wurden stabilere Ringschienen statt des Golddrahtes verwendet und der Skarabäuskäfer auf diese Schienen aufgenietet, so dass er frei drehbar blieb. Noch später, während der Regentschaft von Tutanchamun, tauchten die ersten Siegelringe in moderner Bauweise auf, bei denen der Name des Ringträgers auf der dekorativen Frontplatte des Rings eingraviert war. Es wurden in dieser Zeit auch kompliziertere Ringe hergestellt, die kleine Figuren der Götter und symbolisch bedeutsamer Tiere als Verzierung trugen. Und es wurde auch die Lotusblüte als Ringmotiv verwendet und mit aufwendigen Schmucksteineinlagen gestaltet.

1895 v. Chr.

Abb. Schmuck der Prinzessin Sit-Hathor-Yunet
Abb. Schmuck der
Prinzessin Sit-Hathor-Yunet

Viele ägyptische Wandgemälde und Skulpturen zeigen eine große Anzahl an unterschiedlichen Diademen und Kopfschmuckarten. Einige dieser Stücke bestanden aus feinen Kreisen aus Golddraht und dazwischen eingelegten farbigen Blumenmotiven, wie z.B. die Grabbeigabe von Prinzessin Khnumet demonstriert, die 1895 v. Chr. in Dahshur lebte. Diese Formen des Kopfschmucks entwickelten sich wahrscheinlich aus der Sitte, echte Blumen im Haar zu tragen. Außerdem rasierten junge Priesterinnen ihr Kopfhaar ab und trugen mit Edelsteinen besetzte Perücken, die der verzierten Perücke ähnlich sahen, die man im Grab von Prinzessin Sit-Hathor-Yunet fand. Das dicke Haar dieser Perücken war in viele einzelne Strähnen aufgeteilt, die alle mit einer großen Anzahl von breiten Goldringen verziert waren. Oben lief ein breiter Goldreif rund um den Kopf, der in regelmäßigen Abständen stilisierte Blumenmotive zeigte, und an der Stirnseite dieses Rings war ein sich aufbäumender Kobrakopf befestigt, da diese Schlange als Schutztier der Pharaonen galt. Die Wahl des Tiermotivs spiegelte hierbei den sozialen Status der Perückenträgerin wieder: Diademe, die mit einem goldenen Gazellenkopf verziert waren, gehörten Mitgliedern des königlichen Harems, und es war der ersten Gattin des Pharaos vorbehalten, einen Geierkopf auf dem Diadem zu tragen. Auch Männer trugen Kopfschmuck, und so ist das Diadem von Tutanchamun z.B. mit einem Geier- und einem Kobrakopf verziert, und ein gewölbtes Goldband verläuft von vorne nach hinten über seinen Kopf.

1600 v. Chr.

Ohrringe wurden erst ab 1.600 v. Chr. und damit relativ spät in Ägypten getragen, und anfangs waren sie allein den Frauen vorbehalten. Viele kleine Goldringe wurden zusammengelötet und formten so ein breites, geripptes Band, und nur der mittlere Ring dieses Bandes wurde ans Ohrläppchen gehängt. Außerdem wurden Ohrringe in Donutform getragen und münzgroße Ohrstecker, die in die speziell dafür gedehnten Ohrläppchen der Damen eingesteckt wurden. Schließlich fanden auch einfach gestaltete Ringe Verwendung, die an einer Stelle unterbrochen waren, an der das Ohrläppchen durchgeschoben werden konnte. Alle diese Ohrringformen gab es nicht nur aus Gold, sondern auch aus gefärbtem Glas und bunter Keramik. Ungefähr zweihundert Jahre später fand der Ohrring dann auch als Schmuck für Männer Verwendung. So hatten z.B. der Pharao Tuthmosis IV (1.390 v. Chr.) und auch der berühmte Pharao Tutanchamun durchstochene Ohrläppchen, wobei man im Grab des Letzteren wunderschön gearbeitete Ohrringe in der Form von Enten fand.

1400 v. Chr.

Um 1.400 v. Chr. eroberte die mykenische Kultur Griechenlands vom Festland aus das minoische Kreta. Dieser siegreiche Feldzug hatte allerdings wenig Auswirkungen auf den minoischen Schmuckstil, da sich dieser von vornherein nur wenig vom mykenischen unterschied. So wurden z.B. wunderschöne Beispiele für die minoische Schmuckkunst der Endphase in mykenischen Gräbern gefunden, die Heinrich Schliemann 1870 entdeckte. In dieser Phase der minoischen Schmuckherstellung wurde die Massenfabrikation von Perlen entwickelt, die als Spiralen, Muscheln, Blüten und Käfer geformt waren. Diese stilisierten Formen wurden als Perlhälften mit einem Prägestempel aus Blattgold gestanzt, die beiden Hälften wurden dann zur eigentlichen Perle zusammengesetzt und das Innere der Perle mit Sand gefüllt. Andere technische Fortschritte ermöglichten zu dieser Zeit die Herstellung komplizierter Gravuren für Siegelringe, die Verwendung farbiger Einlegearbeiten und einfacher Emaille und die Produktion feiner Halsketten. Um 1.100 v. Chr. begann die minoische Kultur zu verschwinden und auch die fortschrittlichen Schmuckherstellungstechniken starben für einige Jahrhunderte aus, bis sie schließlich um 850 v. Chr. in Griechenland wieder auflebten. Neben dieser erneuten Blüte griechischer Kultur wurden auch andere mediterrane Völker wieder wichtiger, und so finden sich im siebten Jahrhundert v. Chr. auch kunstvolle Schmuckstücke auf den Inseln Rhodos und Melos.

1200 v. Chr. bis ca. 600 n. Chr.

Mit der Antike bezeichnet man mit der Antike die Geschichte des klassischen Griechenlands, des Römischen Reiches, aber auch die Geschichte der altorientalischen nahöstlichen Hochkulturen Ägyptens, Mesopotamiens, Syriens, Persiens, aber auch die kretische Kultur, die Kunst der Etrusker, Byzanz bis zur Zeit der Völkerwanderung. Der Goldschmied ist einer der ältesten kunsthandwerklichen Berufe. Die ersten Goldschmiedearbeiten sind aus der Antike. Hochkulturen wie die Sumerer, Babylonier, Assyrer, Ägypter, Griechen, Etrusker und Römer fertigten die ersten Schmuckstücke in Metall. Zuerst sah man den Nutzen des Metalls bei der Herstellung von Werkzeugen, später für die Erzeugung von Waffen und danach erst für Fertigung von Schmuck. Dieser war vorerst rein ein Weihe- und Totenschmuck. Er wurde beim Bestattungsritus von gesellschaftlich hochgestellten Personen mit ins Grab gegeben. Diesen sollte den Glauben nach, durch die Grabbeigaben, ein weiteres Dasein ermöglicht werden. In Mesopotamien wurden unter anderem Goldhelme, Armreifen, Oberarmringe, Ohrringe, Siegelringe und Diademe als Beigaben für die Toten in den Gräbern entdeckt. Einen Assyrischen Armring aus Bronze kann man z.B. im Louvre in Paris bewundern. Diese Völker waren zudem die Erfinder des Steinschnittes und der Emailkunst. Auch andere Fertigkeiten, wie der Metallguss, das Treiben, das Schweißen und die Granulation waren Ihnen bekannt. Sie waren zudem auch noch die Erfinder der ersten Schrift: der Keilschrift.

1000 v. Chr.

Abb. Goldvase der Skythen
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Goldvase der Skythen

Ausgrabungen von königlichen Grabstätten haben eine Übersicht über den Schmuck der Skythen möglich gemacht. Das Nomadenvolk der eurasischen Steppen fertigte typische Objekte aus dem 1. Jahrtausend v. Chr., wie Beschlagstücke in Form von Hirschen oder anderen Tieren, in Gold getrieben oder geprägt und oft mit Einlegearbeiten aus farbigen Steinen oder Glas. Die umfangreichste Kollektion skythischen Schmucks befindet sich in der Eremitage in Sankt Petersburg.

800 v. Chr.

Die Etrusker stellten einige der kunstvollsten Schmuckstücke des Altertums her. Dieses Volk siedelte sich ca. 800 v. Chr. in der italienischen Toskana an und erreichte seinen kulturellen Höhepunkt zwischen 700 und 500 v. Chr. Die Etrusker entwickelten in der anspruchsvollen Technik der Schmuckverzierung mit Goldkügelchen (der sog. Granulation) eine nie wieder erreichte Kunstfertigkeit, die sie einsetzten, um wunderschöne Oberflächenmuster und -strukturen auf ihrem Goldschmuck herzustellen. Die Granulation wurde bereits von älteren Kulturen wie z.B. in Ur und Ägypten angewandt, doch die technische Präzision und Detailtreue der etruskischen Arbeiten sucht ihres Gleichen. Die winzigen Goldkügelchen (die sog. Granalien) mit einem Durchmesser von 0,14 mm wurden wahrscheinlich mit einer Methode hergestellt, die später im ersten Jahrhundert n. Chr. vom römischen Schriftsteller Plinius niedergeschrieben wurde: Goldspäne wurden gemeinsam mit Holzkohlepartikeln bis zum Schmelzpunkt erhitzt und schmolzen im Kohlenstaub zu kleinen massiven Goldkügelchen. Bis 1930 war es völlig unklar, wie diese Granalien dann auf den Schmuck aufgebracht werden konnten, ohne sie zum Schmelzen zu bringen oder beim Aufbringen zu verformen. Schließlich wurde entdeckt, dass die Etrusker eine Mischung aus fein zerriebenem Chysokoll, Wasser und Fischleim verwendeten, um die Granalien anzukleben. Nachdem die Kügelchen so an ihre vorgesehene Stelle gesetzt waren, wurde die Klebstoffmischung erhitzt, wodurch das darin enthaltene Kupfer mit dem Gold im Schmuck verschmolz und so eine Verbindung schuf, ohne das Gold zu stark zu erhitzen. Mit dieser Methode wurden einfache geometrische Figuren aus Goldkügelchen zusammengesetzt, aber auch komplizierte figurative Szenen, und außerdem wurden ganze Flächen der Schmuckstücke mit den Kügelchen überzogen, so als wären sie mit Goldstaub bedeckt. Neben dem Aufbringen von Granalien wendeten die Etrusker aber auch Relief- und Filigrantechniken mit hoher Kunstfertigkeit an.

Bei den Etruskern beliebte Schmuckformen waren große Gewandfibeln und -spangen und Halsketten, die entweder Fransen hatten, an denen in Relieftechnik bearbeitete Goldanhänger hingen, oder Einlegearbeiten aus Karneol und Achat besaßen. Außerdem wurden breite Armreifen, Ringe, Ohrringe und Anhänger getragen. Man unterschied zwei Formen von Ohrringen: Die eine bestand aus einer großen verzierten Goldscheibe, die gewölbt sein konnte und mit einem Stift an der Rückseite im Ohr befestigt wurde. Die zweite Ohrringform sah eher wie ein kleiner Würfel aus und wurde daher auch nach dem Italienischen als baule-Form bezeichnet, was soviel wie Reiseköfferchen bedeutet. Der typische Anhänger aus der etruskischen Zeit war hohl und linsenförmig und wurde wahrscheinlich als Behälter für Parfüm oder eine kleine Spruchrolle mit einem Schutzzauber verwendet. Diese Anhängerform fand viele Liebhaber und wurde auch von den Römern übernommen, als diese im dritten Jahrhundert v. Chr. die Etrusker besiegten.

600-300 v. Chr.

Während den Anfängen Griechenlands und in der klassischen Periode dieser Kultur (600 - 330 v. Chr.) war die Schmuckherstellung durch den Mangel an Gold in diesem Land stark eingeschränkt. Einige herrliche Schmuckstücke aus dem sechsten Jahrhundert v. Chr. wurden in Grabstädten in der nordgriechischen Gegend um Sindos gefunden, aber die meisten bis heute erhaltenen Funde sind jünger und stammen aus der Zeit um 400 v. Chr. Aus dieser Zeit besitzen wir viele Funde aus der reichen griechischen Stadt Taranto, welche in Süditalien lag, und aus den Siedlungen in Crimea. Die Halsketten aus dieser Periode sind besonders beeindruckend und zeigen reich verzierte Perlen und Anhänger in Form von weiblichen Köpfen, Rosetten, Eicheln und Melonen. Man trug Ohrringe in Bootform, die üblicherweise mit perlenbesetzten Fransen und einer Rosette über dem Boot verziert waren. Außerdem gab es spiralige Designs aus reinem Gold, die sich durch das Loch im Ohrläppchen wanden und oft in einem Tierkopf endeten, wobei dieses Ende zurück gebogen war und so an der Ohrbasis anlag.

450 v. Chr.

Nun kommen wir zu in dem Zeitraum, der als Wiege der europäischen Kunst und Kultur gilt. In der griechischen Kunst gab es verschiedene Stile. Der orientalisierende Stil, die Archaik, die Klassik und der Hellenismus.

Im Zeitalter des orientalisierenden Stils und der Archaik waren die Einflüsse aus Ägypten und Kleinasien sichtbar. Menschliche Körper hatten eine blockartige Gebundenheit. Auch die Rechtwinkligkeit war wichtig. Diese Formensprache entwickelte sich weiter. In der Klassik (seit 450 v. Chr.) wurden die Proportionen und Formen natürlicher. Die Harmonie der Formen stand im Vordergrund.

Ein neues Zeitalter läutete der Hellenismus ein. Durch den Sieg von Alexander des Großen über den Perserkönig Darius kamen Unmengen von Gold aus Eroberungen nach Griechenland. Aus kaum einer anderen Zeit sind mehr Goldschmiedearbeiten überliefert. Diademe dienten als Auszeichnung von Siegern, als Grabbeigaben oder als Weihgaben für Götter. Oft wurden nun auch Perlen, Steine und Email verwendet. Wichtig war bei den Schmuckstücken vor allen die dekorative Eleganz und der Naturalismus.

330 v. Chr.

Im Gegensatz zur klassischen griechischen Periode war während der hellenistischen Zeit (330 - 27 v. Chr.) ausreichend Gold vorhanden, und es wurde daher viel Schmuck hergestellt. Unter Phillip dem II stammte das Gold vor allem aus Thrazien, während sein Sohn Alexander der Große riesige Mengen an persischem Gold als Kriegsbeute mitbrachte. 322 v. Chr. hatten die militärischen Erfolge von Alexander das griechische Reich bis nach Ägypten und Westasien ausgedehnt, und aus diesen Regionen wurden neue Schmucksteine, Designs und Herstellungsmethoden importiert. Ein wichtiges Merkmal der hellenistischen Schmuckdesigns ist ihre Vielfarbigkeit, wofür speziell zugeschnittene Einlegearbeiten aus Schmucksteinen, farbigem Glas und Emaille verwendet wurden. Granate wurden häufig verwendet, und gegen Ende der hellenistischen Periode fanden auch Smaragde, Amethyste und Perlen vielfache Verwendung. In dieser Zeit wurde auch die Schmucksteingravur zu neuen Höhepunkten weiterentwickelt. Die Steinscheidekunst folgte dabei Themen und Stilen der aktuellen Bildhauerei, wobei die Schmucksteine mit Hilfe eines Bogenbohrers oder eines Rades vorgeschnitten, mit Schleifpulver nachbehandelt und schließlich mit Diamantspitzen fein verziert wurden. Sogenannte Gemmen, bei denen das Motiv vertieft aus dem Stein herausgeritzt wird, wurden zu dieser Zeit meist als Siegelsteine eingesetzt und aus Karneol oder Sarder hergestellt. Kameen, bei denen das Motiv nach Entfernen des Hintergrunds erhaben aus dem Schmuckstein hervorsteht, wurden dagegen rein für dekorative Zwecke hergestellt und sind eine Neuentwicklung der hellenistischen Periode. Diese Schmuckstücke wurden vor allem aus indischem Sardonyx hergestellt, dessen parallelen braunen und cremefarbenen Streifen als Kontraste im Design der Schmuckstücke berücksichtigt wurden.

63 v. Chr. – 14 n. Chr.

Durch Augustus (63 v. Chr. – 14 n. Chr.) erlebte das römische Reich seine Blütezeit. Griechische und Römische Kultur wurden verschmolzen. Auch werden etruskische Stücke (z.B. Scheibenfibeln) als Vorlage verwendet und vereinfacht nachgearbeitet. Raffinierte Techniken der Verarbeitung treten in den Hintergrund. Die Goldversorgung der Römer war über Jahrhunderte nicht ausreichend, um eine Verwendung dieses Metalls für Schmuck zu ermöglichen. Selbst als sich das römische Reich in Gold fördernde Regionen in Nordafrika, Spanien und Frankreich ausdehnte, wurde das edle Metall fast ausschließlich verwendet, um militärische Feldzüge zu bezahlen und die Armeen finanziell zu versorgen. Erst zu Beginn des römischen Kaiserreichs (ab 27 v. Chr.) wurden größere Mengen an Gold für andere Zwecke verwendet. Ursprünglich kopierte die römische Schmuckherstellung den hellenistischen Stil der gerade besetzten griechischen Gebiete, doch schon bald entwickelte sich ein eigenständiger römischer Stil, der durch einfach gebaute, große Steinfassungen gekennzeichnet war, in die verschiedene farbige Schmucksteine eingesetzt wurden.

Das Gold, welches die Römer zur Schmuckherstellung verwendeten, hatte 18 bis 24 Karat, und es wird vermutet, dass häufig Goldmünzen als Rohmaterial von den Juwelieren verwendet und nach dem Einschmelzen aufgereinigt wurden. Neben bereits bekannten Techniken entwickelten die Römer Designs, bei denen das Gold durchstochen wurde. Diese unter dem Begriff opus interrasile zusammengefassten Schmuckstücke besaßen ein feines Gittermuster, welches aus dem Metall ausgeschnitten oder ausgestanzt wurde. Außerdem erfanden die Römer Niello, eine schwarze Substanz bestehend aus Metallsulfiden, die einen schönen Kontrast gegen das verwendete Gold und Silber bildete. Emaille wurde dagegen nur selten eingesetzt, und intensive Farben wurden stattdessen mit Hilfe von farbigen Schmucksteinen erzielt, die in abgerundete Formen verschliffen wurden. Granate waren beliebt und die etwas trüben Smaragde, die aus den gerade entdeckten Minen in Ägypten stammten. Die Smaragde wurden meist in ihrer ursprünglichen hexagonalen Naturform belassen und nur durchbohrt, um auf Golddraht aufgefädelt zu werden. Im Fall von Halsketten bekam jede Perle ihren eigenen kurzen Golddraht, der an beiden Perlenenden zu einer Schlaufe gebogen wurde. Diese Schlaufen wurden dann zur eigentlichen Kette verbunden. In Westrom standen zu dieser Zeit erstmals Saphire zur Verfügung, die wahrscheinlich aus Sri Lanka stammten, und in seltenen Fällen wurden auch unbearbeitete Rohdiamanten aus Indien für Ringe verwendet. Römische Steinschneider stellten fein gearbeitete Gemmen und Kameen her, die in die Schmuckstücke eingearbeitet wurden, wobei sie hierbei die Stile und Techniken der hellenistischen Griechen übernahmen. Sowohl das versteinerte Baumharz Bernstein als auch das versteinerte Holz Gagat waren für Halsketten und Amulette beliebt und begehrt. Die Römer gewannen den Bernstein aus dem Baltischen Meer, und der Gagat wurde vor allem aus Nordengland herantransportiert, nachdem auch die Britischen Inseln zum römischen Reich gehörten. Der Bernstein wurde vor allem zu Perlen verarbeitet, doch aus Gagat konnten auch kompliziertere Formen hergestellt werden, wie z.B. die so genannten Sponsalia-Medaillions, die auf der Vorderseite ein Liebespaar und auf der Rückseite den Händedruck der Liebenden zeigten, und beim Paar gegenseitige Treue hervorrufen sollten. Die meisten dieser Medaillions wurden in York hergestellt, wo sich eine römische Manufaktur befand.

Unser Wissen über die römische Schmuckherstellung im ersten Jahrhundert n. Chr. stützt sich vor allem auf die Funde, die in Pompeji und den umliegenden Städten gemacht wurden, die 79 n. Chr. bei dem verheerenden Vulkanausbruch verschüttet wurden. Unter den Ausgrabungsstücken finden sich fein gearbeitete Armreifen, die aus zwei goldenen Halbkugeln bestehen, welche verbunden waren, um so eine goldene Kuppel rund um das Armgelenk der Trägerin zu bilden. Man trug dazu passende Ohrringe, die ebenfalls aus jeweils einer goldenen Halbkugel bestanden, außerdem waren Ohrringe beliebt, bei denen kleine Perlen oder Smaragdkügelchen auf Schnüren zu einem kugelförmigen Anhänger zusammengefädelt wurden und dann mit Hilfe eines zentralen Golddrahtes im Ohr befestigt wurden. Römische Schmuckstücke aus der Zeit vom ersten bis zum vierten Jahrhundert n. Chr. wurden außerdem häufig auf den figurativen Sarkophagen abgebildet, in denen damals die Mumien im römisch besetzten Ägypten begraben wurden. Diese Bildhauerarbeiten sprechen dafür, dass zu dieser Zeit Armreifen in Schlangenform, die paarweise angelegt wurden, beliebt waren, und außerdem Halsketten, Ringe und Ohrringe getragen wurden, wobei die Ohrringe entweder in Halbkugelform oder mit eingesetzten Schmucksteinen gefertigt waren. Außerdem gab es Perlohrringe, bei denen die Perlen auf S-förmig gebogenem Golddraht aufgefädelt waren. Ringe waren sehr beliebt, und es war eine römische Sitte, dass bei einem Eheversprechen der Angebeteten ein Ring als Treuezeichen geschenkt wurde. Es gab viele verschiedene Ringmodelle, doch die meisten waren einfache Goldbänder, die einen gravierten Schmuckstein oder eine Münze trugen. Manchmal wurden auch farbige Schmucksteine über die gesamte Länge des Rings eingesetzt. Die Römer entwickelten aber auch ungewöhnlichere Designs, so gab es Ringe, deren vorstehender Teil als Schlüssel verwendet werden konnte, und andere Schmuckstücke, bei denen mehrere Ringe nebeneinander verbunden wurden und zugleich über mehreren Fingern getragen wurden.

Die römischen Goldschmiede waren in Gilden organisiert, deren Zentren und Hauptproduktionsstätten des Reiches in Rom, Alexandria und Antiochia lagen. Von dort wurden die Schmiedearbeiten in ganz Europa verteilt, indem Angestellte des Kaiserreichs und deren Familien sie in die entfernt gelegenen Provinzen mitnahmen. In der römischen Provinz Großbritannien trugen die Reichen daher ähnliche Muster, wie sie auch bei den Patriziern in der Hauptstadt Rom in Mode waren. So fanden sich z.B. im kürzlich entdeckten Schatz von Hoxne in Suffolk 29 Stücke edler Goldschmiedekunst, die auch direkt aus Italien hätten stammen können. Die Armreifen dieses Fundes waren in Relieftechnik bearbeitet und durch eingeschnittene Muster verziert, eines dieser Schnittmuster ist sogar eine lateinische Widmung mit der Bedeutung "Trage dies mit Freuden, Juliana", außerdem befinden sich Halsketten, Ringe und auch eine seltene Körperkette in diesem Fund. Dieser Schmuck ähnelte einem Kettenpanzer und war im römischen Ägypten genauso beliebt wie später im entfernten Byzanz: Er bestand aus langen diagonal angeordneten Ketten, die von den Schultern quer über den Körper bis zur Hüfte hin hingen und durch zwei zentrale Befestigungsscheiben auf der Brust und dem Rücken in der richtigen Position gehalten wurden. Zu dieser Zeit bestanden die Ketten üblicherweise aus ineinander gehängten Ringen, die aus verflochtenem Golddraht gefertigt waren.

300 - 1000 n. Chr.

Byzanz Die ersten christlichen Schmuckstücke gab es zur Zeit Kaiser Konstantins. Dieser ernannte die christliche Lehre zur römischen Staatsreligion. Die Frauen sind nun verhüllt. Dadurch fällt der Halsschmuck fast gänzlich weg. Das Kreuz wird zum Siegeszeichen. Es werden viele Durchbruchsarbeiten gefertigt (opus interrasile). Die Kunstwerke sind wieder wesentlich weniger lebendig gestaltet. Zellenverglasung und Zelleneinlagen werden zu einem wichtigen Teil der Schmuckgestaltung. Die Geometrie steht wieder im Vordergrund. Noch mehr Edelsteine und Perlen werden verwendet. Sie sind jetzt nicht mehr nur im Oval, sondern auch in der Form eines Kreuzes bzw. eines Diagonalkreuzes angeordnet.

In der Zeit um 1000 befinden wir uns in der Epoche Hochbyzanz. Im Mittelpunkt der Kunst steht jetzt das Religiöse. Das Christusbild vom Hirten ist dem eines machtvollen Herrschers gewichen. Die Macht des Kaisers geht von Gott aus: „von Gottes Gnaden“! Es wurden keine Grabbeigaben gemacht. Das war gegen die Lehre. Im Gegensatz zur Antike verlieren die dargestellten Menschen ihre persönliche Ausstrahlung. Das ist besonders gut an der Limburger Staurothek zu sehen, die in der Mitte des 10. Jahrhunderts entstanden ist. Sie ist ein Reliquiar, das zur Aufbewahrung von Teilen des heliligen Kreuzes dient. Man kann sie in Limburg in der Schatzkammer des Doms bewundern. Auf der Vorderseite befinden sich 9 Felder, die die 12 Aposteln und den in der Mitte thronenden Christus, Maria und Johannes mit jeweils einem Engel zeigen. Das Zellenemail ist in Byzanz ein wichtiger Bestandteil in der Goldschmiedebranche. Dadurch konnten Bilder besonders gut dargestellt werden.

750 – 900 n. Chr.

Die Karolingische Zeit knüpft an die frühchristliche römische Vergangenheit an. Dabei handelte es sich dem Wesen nach um eine Bildungsreform, die sich unter Alkuin das Ziel gesetzt hatte, das Römische Reich zu erneuern und die Gesellschaft von ihren geistigen Grundlagen her neu zu formen. Das Wiederanknüpfen an die römische Reichsidee bildete unter Karl dem Großen das geistesgeschichtliche Fundament des europäischen Mittelalters. Während der Karolingerzeit erfährt der Schmuck einen bemerkenswerten Wandel in seiner Gestaltung: Edelsteine werden jetzt erhaben in Krappenfassungen aufgesetzt. Broschen und Fibeln werden in dieser Zeit mit gemuggelten, also gewölbten Edelsteinen besetzt. Die beliebte Ringbrosche gilt vermutlich als Unterpfand inniger Freundschaft.

950 – 1050 n. Chr.

Die Ottonische Kunst umspannt die Zeit von der Krönung Ottos des Großen, 936, bis zum Tod Kaiser Heinrichs II., 1024. In der Ottonischen Kunst wird die Formensprache gegenüber der Karolingischen Zeit wieder strenger. Der Einfluss der römischen Kunst wird durch den Einfluss der byzantinischen Kunst abgelöst.

Abb. Deutsche Reichskrone
Abb.
Deutsche Reichskrone

In der Bildhauerkunst entstanden in dieser Zeit die ersten selbstständigen Kultbilder aus Holz wie das Gerokreuz des Kölner Doms (um 970) und die mit Goldblech beschlagene Goldene Madonna des Essener Münsterschatzes (um 980). Eine außerordentliche Lebendigkeit der Gebärdensprache kennzeichnet nicht nur die Bronze- und Elfenbeinreliefs, sondern auch die Reliefs der Goldschmiedekunst. Zu den bedeutendsten Werken gehören das Antependium aus dem Basler Münster (um 1020), der von Heinrich II. gestiftete Ambo und die Pala d'Oro (um 1020) im Aachener Münster sowie das Reichskreuz (um 1024).

Auch Die Deutsche Reichskrone ist ein Meisterwerk aus dieser Zeit. Die Reichskrone hat eine von den meisten, wenn nicht sogar allen anderen Kronen der Welt abweichende Gestalt. Die Krone ist nicht rund, sondern achteckig. Statt eines Reifes sind acht oben abgerundete Platten durch Scharniere miteinander verbunden. Durch zwei zu einem unbekannten Zeitpunkt eingezogene Eisenbänder, die mit Goldnieten an den Platten befestigt wurden, wurde die Krone in ihrer nahezu regelmäßigen achteckigen Gestalt fixiert. Die einzelnen Platten der Krone sind aus gediegenem Gold, von Perlen und Edelsteinen durchsetzt. Durchsetzt ist hier wörtlich zu nehmen: Die Perlen und die Steine sind in ausgesägte Öffnungen eingeschoben und mit Filigrandraht befestigt, so dass diese in durchscheinendem Licht wie von innen leuchten. Insgesamt wurden 144 Edelsteine und etwa gleich viele Perlen verarbeitet.

Auch das Aachener Lotharkreuz stammt aus dieser Zeit. Das Kreuz (H: 50 cm, B: 38,5 cm, T: 2,3 cm) besteht aus Gold und vergoldetem Silberblech mit (erneuertem) Eichenholzkern. Die Balken des lateinischen Kreuzes bilden an ihren Enden Kapitelle, die durch dreieckige Strukturen, jeweils mit einem ungeschliffenem Saphir und drei in den Ecken eingefassten Perlen versehen, abgeschlossen werden. Die Kapitelle tragen jeweils zwei Wulste, die mit Goldfilegran bzw. mit Zellenschmelz verziert sind. Im 14. Jahrhundert wurde für das Kreuz ein gotischer Fuß angefertigt, um es auch als Standkreuz nutzen zu können. Trotz des hohen Alters und des großen kunsthistorischen Werts ist das Lotharkreuz kein museales Ausstellungsstück, sondern bleibt als liturgischer Gegenstand im Aachener Dom lebendig. Es befindet sich heute in Aachen in der Domschatzkammer.

1024 – 1235 n. Chr. Romanik

Die Goldschmiedekunst stellt in der vorromanischen und romanischen Zeit eine hoch entwickelte Kunstform dar. Die Ausgangsländer dieses Stils sind Deutschland und Frankreich. Hauptauftraggeber für die Schmuckstücke dieser Zeit sind Klöster. Es werden hauptsächlich liturgisches Gerät und königliche Insignien gefertigt. Dazu gehören z.B. Investiturschmuck, Kelche, Kreuze, Reliquienschreine und Retabeln. Ein Großteil der Goldschmiedewerke in Frankreich fiel der Französischen Revolution zum Opfer, jedoch sind in den Schatzkammern größerer europäischer Kathedralen außerhalb Frankreichs noch zahlreiche Werke erhalten geblieben. Andere Metallarbeiten aus der vorromanischen und romanischen Zeit sind frühe keltische Silber- und Schmuckgegenstände, Gold- und Silberschmiedearbeiten aus Deutschland und Italien, deren Gestaltungsform von importierten byzantinischen Metallarbeiten beeinflusst war, sowie bemerkenswerte Emailarbeiten.

Abb. Dreikönigsschrein
Abb. Dreikönigsschrein

Der bedeutendste Goldschmied der Romanik, dessen Werk von großem Einfluss auf die frühgotische Skulptur war, ist Nikolaus von Verdun, dessen Hauptwerk, der Dreikönigsschrein im Kölner Dom (vollendet 1191), noch heute ein Publikumsmagnet ist.
Weitere beeindruckende Arbeiten aus dieser Epoche sind der Eilbertschrein sowie der Klosterneuburger Altar. Dieser wurde im Jahre 1181 nach zehnjähriger Arbeit von Nikolaus von Verdun in Wien fertig gestellt. Die Reichsinsignien, wie die Krone, Zepter, Reichsapfel und Reichsschwert sind goldschmiedetechnisch ebenfalls von Bedeutung.

Ein sich entwickelndes Bürgertum in den Städten verhilft In der Hochromanik dem Email zu höchster Blüte und Anerkennung. Handwerker, Kaufleute und reiche Bürger erweiterten den Kundenkreis der Goldschmiede. Unterschiedliche Email-Arten wie Rheinisches Email, Maas Email und Limogenes Email entwickeln sich. Leider sind nur wenige Schmuckstücke aus dieser Zeit erhalten. In der Spätromanik wird das Email durch Filligranarbeiten abgelöst.

1140 – 1500 n. Chr. Gotik

Die Gotik ist eine Stilepoche der europäischen Kunst des Mittelalters und wird als eigenständigste Epoche in der europäischen Kunstgeschichte seit der Antike angesehen. Die Gotik dauerte von etwa 1130 bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts an. In Deutschland begann die Gotik im 14. Jahrhundert und endete im 15. Jahrhundert. 

Die Bezeichnung „Gotik“ (v. ital. gotico fremdartig, barbarisch; ursprünglich ein Schimpfwort, abgeleitet von der Bezeichnung des Germanenstammes der Goten) wurde in der Renaissance durch den italienischen Kunsttheoretiker Giorgio Vasari geprägt, der damit seine Geringschätzung der mittelalterlichen Kunst gegenüber dem „goldenen Zeitalter“ der Antike ausdrückte. Auch wenn die Bewertung Vasaris heute nicht mehr geteilt wird, wurde diese Bezeichnung übernommen.
In der Kunst der Gotik spiegeln sich höfische Pracht und bürgerlicher Stolz, aber auch fanatische Religiosität, asketische Weltabgeschiedenheit und Suche nach Intimität. Denn der gotischen Monumente sind Zeugen einer dynamischen Zeit, in der alte Wertvorstellungen in teilweise dramatischen Auseinandersetzungen neu definiert wurden.

Es wurde für die Bürger in hohen Stückzahlen billiger, einfacher Schmuck hergestellt. Schmuck wurde nun zur Unterstreichung der Individualität getragen. Das aufstrebende Bürgertum versuchte sich äußerlich dem Adel anzugleichen. Deshalb wurden Kleiderordnungen erlassen, um die gesellschaftliche Stellung für jeden sichtbar zu dokumentieren. Der zeitgenössische Schmuck war geprägt durch die Verwendung vieler Ornamente. Lilien und Ranken, sowie Rauten und Maßwerk waren typische Verzierungen der Zeit. Durch die Erfindung des Körperemail konnten Figuren vollplastisch emailliert werden. Die große Farbenfreudigkeit ist ebenfalls ein Zeichen der Gotik.  

Abb. Johannes Gutenberg (* um 1400 in Mainz; † 3. Februar 1468 ebenda)
Abb.
Johannes Gutenberg
(* um 1400 in Mainz;
† 3. Februar 1468 Ebenda)

Ab etwa 1250 wurden Monumentalstatuen und Elfenbeinfiguren im gotischen Stil geschaffen, so etwa die Elfenbeinstatuette der Madonna mit Kind (um 1265) aus der Sainte-Chapelle. Die großen metallenen Reliquienschreine der Zeit nach 1260 haben die Form kleiner Kirchen im Rayonnantstil und sind mit Querschiff, Fensterrose und Giebelfassaden ausgestattet. In der Hochgotik entstanden einige besonders kostbare Goldschmiedearbeiten, ebenso Kleinkunst aus Bergkristall, Bronze, Messing, Kupfer und Holz. Dabei handelte es sich zumeist um Geräte für den liturgischen Gebrauch (Kelche, Kreuze, Reliquiare etc.). Künstlerische Zentren waren Paris, Limoges, London, Köln, Florenz, Siena, Genua und Venedig. 

Um 1300 begann sich das Kunsthandwerk zu emanzipieren. Die Buchmalerei erhielt durch Jean Pucelle in Paris neues Gewicht. In seinem Brevier von Belleville (um 1325) fügen sich Schrift, Illustration und Ornamentierung zu einer einheitlichen Komposition, die zum Vorbild späterer Künstler wurde. Noch wichtiger war, dass Pucelle die bisher flächige Darstellung überwand und stattdessen die Illusion von Dreidimensionalität vermitteln konnte. Gutenberg erfindet im Jahre 1457 den Buchdruck. 

1420 bis 1590 n. Chr. Renaissance

Das französische Wort Renaissance bedeutet Wiedergeburt und ist ein kulturgeschichtlicher Begriff am Beginn der Neuzeit, besonders in Italien. Bezogen auf seinen Ursprung bedeutet der Begriff die „kulturelle Wiedergeburt der Antike“. Im weiteren Sinne meint Renaissance daher die Wiedergeburt des klassischen Altertums in seinem Einfluss auf die Wissenschaft, die Literatur, die Gesellschaft, das Leben der vornehmen Kreise und die Entwicklung der Menschen zu individueller Freiheit im Gegensatz zum Ständewesen des Mittelalters. Im engeren Sinne versteht man unter der Renaissance eine kunstgeschichtliche Epoche. Anfang des 16. Jahrhunderts begann in Deutschland die Renaissance. Die Formvorbilder der Kunstgegenstände waren aus der Antike. Sie wurden von den Schaffenden ausgiebig studiert und als Inspiration und Vorlage verwendet.

Renaissance-Schmuck zeichnet sich durch Farbenpracht und durch plastisches Design aus. Religiöse Motive wurden nach und nach durch klassische und naturalistische Themen ersetzt. Typisch für diese Zeit ist der plastische Anhänger, der unregelmäßige Perlen, Email und farbige Edelsteine in sich vereint. Beliebt waren auch Broschen oder Anhänger mit einem Miniaturporträt. Halsketten, Ketten und Gürtel blieben weiterhin in Mode. Seit Mitte des 15. Jahrhunderts wurde Schmuck ein wichtiger Bestandteil modischer Kleidung. Reich verzierte Samt- und Seidenkleidung war mit Perlen und funkelnden Edelsteinen bestickt. Schmuckdesigns, die teilweise von Hans Holbein dem Jüngeren und Albrecht Dürer stammten, wurden gedruckt und in ganz Europa in Umlauf gebracht. Berühmte Beispiele für juwelenbesetzte Anhänger aus dem 16. Jahrhundert sind das Phoenix-Juwel (Britisches Museum) und das Canning-Juwel (Victoria and Albert Museum, London). 

Da die damals einzig bekannten Diamantminen im Besitz von Großmogulen waren und keine großen Steine durch den Handel gingen, musste man mit vielen kleinen, genau geschliffenen Rosen eine große Fläche zusammensetzen. Dies war aber äußerst teuer, weil der technische Aufwand groß und der Materialverlust ziemlich hoch war. Auch Ornamente erfreuten sich wieder äußerster Beliebtheit. Eine besondere Arbeit der Renaissance ist der Apfelpokal, der um 1510 gefertigt wurde. Der aus Silber getriebene und vergoldete Pokal wurde wahrscheinlich von Albrecht Dürrer entworfen. Der Pokal ist in Nürnberg im Germanischen Nationalmuseum zu bewundern. 

1560 bis 1610 n. Chr. Manierismus

Der Manierismus bezeichnet den Übergang zwischen der Renaissance und dem Barock in Malerei, Architektur, Musik und Literatur. Er entwickelte sich in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts, in einer Zeit zu der sich Freiheitsbewegungen und religiöse Konflikte über Europa ausbreiteten. Die Zünfte und der Stadtrat hatten in dieser Epoche einen großen Einfluss auf die Gesellschaft und die Kultur. Handwerker genossen während des Manierismus den Ruf als Künstler. Das zu immer mehr Wohlstand gelangende Bürgertum erhöhte die Nachfrage nach Schmuckstücken und stellte auch höhere Ansprüche. Einzelne Goldschmiede wurden über die Grenzen ihres Landes berühmt. Benvenuto Cellini und Wenzel Jamnitzer sind wahre Meister dieser Zeit.

Auch die Mode war einem Wandel unterworfen. In der Zeit der Gegenreformation war kein Dekolté erlaubt. Es wurden enge Korsetts getragen und die Röcke waren kegelförmig. Sehr häufig wurde die Kleidung sehr reichlich mit Steinen und Perlen besetzt. Bei Edelsteinen war der Tafelschliff weit verbreitet. Oft fasste man den Stein in einer Spiegelfassung, d.h. der Zargenrand und der Edelstein bildet eine ebene Fläche. Das Ätzen war eine von den Goldschmieden gerne angewandte Technik. Das Metall wurde dabei von einer säurebeständigen Schicht (z.B. Wachs oder Asphalt) bedeckt. Nun musste man die Stellen, die geätzt werden sollten, frei legen. Wenn man das Stück nun in ein Säurebad (z.B. Salpetersäure) legte, wurden nur die nicht verdeckten Stellen angegriffen. Diese Technik wurde bei der Georgstatuette, die in München in der Schatzkammer der Residenz aufbewahrt ist, angewendet. Die geätzten Stellen des Harnisch wurden mit blauen Email ausgefüllt.

Weitere Meisterwerke dieser Zeit sind der Jungfrauenbecher von Elias Zorer (Kunstgewerbemuseum in Berlin), Prunkkette von Hans Reimer (Schatzkammer der Residenz in München) und das Salzfaß von Benvenuto Cellini (Kunsthistorisches Museum in Wien). 

1580 bis 1760 n. Chr. Barock

Die Wurzeln des Barockstils liegen in Rom, die geschichtlichen Wurzeln in der Gegenreformation und im Absolutismus. Die Säulenordnungen der Renaissance wurden beibehalten, jedoch wich die Ruhe der Bewegung die klassische Schönheit dem Ausdruck von Kraft, Pathos, Ekstase. Der politische und kulturelle Einfluss des Bürgertums in Deutschland schwächte sich im Barock, hervorgerufen durch hohe Bevölkerungsverlusten, ab. Der höfische Adel gewann wieder an Macht. Im 17. Jahrhundert wurde der Schmuck fast ausschließlich für die Frau hergestellt. Dies war eine grundlegende Veränderung, da in den vorangegangenen Epochen der Schmuck hauptsächlich zur Auszeichnung des Mannes diente. Das steife Gewand verschwand. Helle Farben, dünne Stoffe und das Dekolleté brachten die weiblichen Formen besser zur Geltung. Sogar das Haar durfte nun offen getragen werden.

Durch diese Veränderungen entstanden neue Schmuckgattungen, wie z.B. der Haarschmuck, der Ohrschmuck, zierliche Perlenketten oder die Miederbrosche. Ein querovaler Broschentyp in Schleifenform, die „Sévigné-Brosche“, war ein beliebtes Schmuckstück dieser Zeit. Der optische Gesamteindruck in dieser Epoche war wichtiger als Details. In der Ornamentik gab es zwei verschiedene Richtungen. Zum ersten der Ohrmuschelstil. Dieser fällt durch weiche Formen ohne klare Begrenzungen auf.

Die zweite Richtung wäre das Barocklaub. Diese Ornamentik hatte wuchtige Formen die oft die Gesamtfläche bedeckte. Bei den Edelsteinen war zunächst noch der Rubin am beliebtesten. Nachdem aber in Kolumbien im Jahre 1594 Smaragde gefunden wurden, waren diese verstärkt im Kommen. Durch die Entwicklung des Rosenschliffs (1676) und des Brilliantschliffs (um 1700) wurde der Steinschliff weiter verfeinerte. Daher nahm die Bedeutung der Edelsteine zu, was wiederum zur Folge hatte, dass vermehrt Juwelenschmuck hergestellt wurde.

Im Spätbarock, in dem sich die fürstliche Darstellung und Selbstinszenierung noch steigerte, spielte das Kunsthandwerk eine noch größere Rolle. Diese Lebensanschauung spiegelt sich in eines der berühmtesten Werke der Goldschmiedekunst, der Hofstaat zu Delhi von Johann Melchior Dinglingers (1664-1731), nieder. Es ist in Dresden, im Grünen Gewölbe, zu bewundern.

1720 bis 1780 n Chr. Rokoko

Das Rokoko, die Spätphase des Barocks, war im wesentlichen ein Dekorationsstil mit asymetrischer Behandlung der Ornamente, geschmeidigen Formen naturalistischen, pflanzlichen Motiven neben ostasiatischen Elementen (Chinoiserie). Die letzte Phase des Barocks war geprägt durch die Auflösung der großen dualistischen Form in verspielte zierliche Kleinkunst.

1770 bis 1830 n Chr. Klassizismus

Der Klassizismus In der bildenden Kunst nach dem Rokoko folgender Stil, in Frankreich Louise-seize und Empire. Rückgriff auf die römisch interpretierte griechische Antike. Im Klassizismus (1770-1830) wendete man sich wieder verstärkt den antiken Formen zu. Im vorrevolutionären Frankreich erfuhr die Goldschmiedekunst eine späte Blüte. Das Kaisertum musste repräsentiert werden, da Napoleon den Anschluss an fürstliche Traditionen suchte. Schmucksets, genannt Parure und Demiparure, wurden zur Mode.

Ein Parure bestand aus Collier, Ohrschmuck, Brustschmuck, zwei Armbändern und ein Diadem. Zu einer Demiparure gehörte der Ohrschmuck, eine Halskette und eine Brosche. Ein besonders schönes Parure ist das von der Kaiserin Marie Louise. Ihr Vater, Kaiser Franz I. von Österreich, schenkt es ihr im Jahre 1810 zur Vermählung mit Napoleon. Es wurden dafür 64 lichtblaue Saphire und Hunderte von Brillanten verarbeitet. Dieses Meisterwerk wurde 1964 in Bern für 300.000 Schweizer Franken versteigert und befindet sich seitdem in Privatbesitz. Aus der Revolutionszeit ist ein Ring, der Schwert und die rote Mütze der Jakobiner zeigt, erhalten.

Zum Ende des Jahrhunderts hin, diente der Schmuck des öfteren als Parteiabzeichen. Eine weitere Sonderform aus dieser Zeit um 1800 war der Andenkenschmuck (z.B. Freundschaftsringe, meist ohne großen Materialwert) und der Eisenkunstguss. Durch die Niederlage Preußens gegen Napoleon, der daraus folgenden Entrichtungen an Kriegsreparationen und die wenige Jahre später einsetzenden Befreiungskriege gegen Frankreich, mussten die aus Edelmetall gefertigten Gefäße und der Schmuck der Frauen eingeschmolzen werden. Diese erhielten als Entschädigung Schmuck aus Eisen. Dadurch konnte man auch seinen Patriotismus nach außen hin repräsentieren.

1815 bis 1848 n Chr. Biedermeier

Das Biedermeier ist die nachklassizistische Epoche. Nach den Revolutionskriegen wollen die Menschen endlich Ruhe und Ordnung. Privates Glück und innerer Frieden haben Priorität. Der bürgerliche Biedermeier Stil äußert sich in Kleidung, Wohnkunst und Möbelkunst. Schlichte und einfache Behaglichkeit, Gediegenheit, klare und leicht geschwungene Formen sind bevorzugt. Die Malerei dieser Zeit ist gekennzeichnet durch Beschaulichkeit und gute Beobachtung.

Die bürgerliche Gesellschaft Deutschlands und Österreichs trug schon allein rein aus wirtschaftlichen Gründen sehr sparsam und wenig Schmuck. Eine Ausnahme bildeten allerdings die obligatorischen Ohrgehänge. Diese waren ein Muss. Kleidung und Schmuck bildeten im Bürgertum keinerlei Stileinheit mehr. Die betuchtere Dame oder die Adlige trug neben dem Diadem (bis ca 1820) im Haar zusätzlich Zierkämme und Haarnadeln. Ab ca. 1820 bevorzugte man naturalistische Blumenranken oder die sogenannte "Ferronière" (eine Art Stirnband), ein Juwel , das an einer Gold- oder Perlenkette hängend um den Kopf gelegt wurde. Weiter getragene Pretiosen waren Broschen, lange Colliers, lange Ohrhänger und kostbare Gürtelschnallen, Ringe.

1871 bis 1873 n Chr. Gründerzeit

Durch von Frankreich gezahlte Kriegsentschädigung kam es in Deutschland zu vielen spektulativen Unternehmensgründungen. Im Historismus sticht vor allem ein Goldschmied besonders hervor: Carl Peter Fabergé (1846-1920). Er wurde 1885 zum russischen Hofjuwelier von Zar Alexander III. ernannt.

Der damalige Familienbetrieb expandierte zu einer riesigen Manufaktur mit zeitweise bis zu 500 Beschäftigten. Seine Ostereier wurden weltberühmt. 47 Stück sind heute noch erhalten. Reisen durch den Orient inspirierten zu Schmuck im "maurischen Stil".

Typisch für daraus entstandene Schmuckstücke war die reichhaltige Verwendung von Edelsteinen, Email und Perlen. Der schon zuvor in der Romantik beliebte Diamant kam immer mehr auf den Markt, da zunehmend mehr Diamantminen - vor allem in Südafrika - erschlossen wurden. Daraus entstanden prunkvolle und mächtige Schmuckstücke.

1895 bis 1925 n Chr. Jugendstil

Die Stilrichtung Jugendstil der europäischen Kunst, die nach der seit 1896 in München erscheinenden Zeitschrift "Jugend" benannt wurde, entstand gleichzeitig in Deutschland, den Niederlanden, Skandinavien, Belgien, Frankreich, (Art nouveau) Österreich (Wiener Sezessionsstil) als Reaktion gegen den Historismus des 19 Jh., völlig neue, vegetabli.-lineare Ornamentik ergriff alle Künste. Japan öffnete seine Grenzen und japanische Kunst beeinflusste die europäischen Goldschmiede. Es entwickelte sich der Jugendstil mit der Romantik ähnlichen floralen Motiven. Dazu kamen feenhafte Frauengestalten sowie Insekten aller Art, welche bei Entwürfen neuer Schmuckstücke "Modell gestanden" haben dürften. Halbedelsteine wie Amethyst, Peridot, oder Opal waren neben Email in gebrochenen Farbtönen und mehrfarbigem Gold verarbeitet. In dieser Zeit entwickelte sich übrigens auch der Jagdschmuck, bei dem z.B. Hirschzähne, sogenannte Grandln anstatt Edelsteinen in Schmuck verarbeitet wurden. De Jugendstil (1895-1925) war keine Stilrichtung die sich Länder umgreifend gleich entwickelte.

Vielmehr hatte sie in jeder Nation ihren eigenen Charakter. In Frankreich naturalistisch, in Deutschland abstrakt-ornamental und in Österreich abstrakt-geometrisch. Damalige Künstler waren mit den vorhandenen Formen unzufrieden und suchten nach neuen Möglichkeiten der Mode und der Gestaltung. Die eigenständige Ornamentik stand damals im Vordergrund. Verschiedene Materialien, wie Glas, Email, Bernstein, Perlmutt, Horn, Elfenbein, Bronze, Kupfer und sogar Stahl, kamen zum Einsatz. Der Opal war ein viel verwendeter Stein dieser Zeit. Auch Zellen- und Fensteremail waren sehr beliebt. Organische Vorbi

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