Diamanten -> Geschichte

Von Anbeginn seiner Entdeckung hat der Diamant, den man zunächst nur ungeschliffen kannte, die Menschen fasziniert. Seine Geschichte beginnt vor rund 3.000 Jahren in Indien. In Europa stieg der Diamant an den europäischen Königshöfen erst im Mittelalter zum Edelsten unter den Edelsteinen auf. Obwohl sein Name auf das Griechische "adamas", der Unbezwingbare, zurückgeht, war der Diamant den Griechen des Altertums unbekannt. Bei den Römern dagegen waren Diamanten bekannt und wurden sehr geschätzt. Die Römer glaubten an seine übernatürlichen Kräfte, weswegen er auch als Talisman benützt wurde. Außerdem schätzen sie ihn wegen seiner Härte z.B. für Gravierarbeiten. Die Verwendung von Diamanten als Werkzeug beschreibt schon Plinius der Ältere in seinem Werk Naturalis historia, XXXVII 60.

Um 600 n. Chr. wurde der erste Diamant auf der indonesischen Insel Borneo gemeldet, doch obwohl Indien nun nicht mehr die einzige Quelle war, blieben die indonesischen Funde unbedeutend, da die Anzahl zu gering und der Transport zu den Handelsstädten zu weit war. Erst im 13. Jahrhundert entdeckte man, dass sich Diamanten bearbeiten lassen, was jedoch in Indien abgelehnt wurde, da die Steine so angeblich ihre magischen Kräfte verlieren könnten. Der heutige typische Brillantschliff wurde erst um 1910 entwickelt.

Die kostbarsten Diamanten, zu denen heute die größten und schönsten Diamanten gezählt werden, waren lange im Besitz der indischen Fürsten oder sie waren in indische Götterstatuen eingearbeitet. Als Kriegsbeute kamen die ersten wertvollen Steine in andere Länder und auch nach Europa. Bis ins Mittelalter hinein hatten Perser und Araber das Monopol des Diamantenhandels inne. Indien blieb bis ins 18. Jahrhundert hinein das einzige Land, in dem Diamanten gefördert wurden. Alle Diamanten, mit denen man sich in Indien schmückte und die um das 13. Jahrhundert erstmals ihren Weg nach Europa fanden, waren ungeschliffene Diamanten – also Rohdiamanten. Damals konnte man den harten Edelstein noch nicht bearbeiten. Der Diamant war zunächst begehrt wegen seiner Seltenheit und seiner Härte. Die Härte des Edelsteins war es, die den Diamanten im Westen Europas im Mittelalter zum Symbol für Mut und Männlichkeit machte. Den Kriegsführern diente er als Glücksstein und Monarchen schätzten den Diamanten als Insignum der Macht.

Ein Name, der mit der europäischen Geschichte des Diamanten unzertrennbar verbunden ist, ist Jean-Baptiste Tavernier. Der Sohn eines Antwerpener Kaufmanns und Diamantenexperte unternahm Mitte des 17. Jahrhunderts mehrere Reisen in den Orient und nach Indien. Von dort brachte er eine große Menge an Diamanten mit nach Europa: darunter allein zwanzig Steine zwischen 30 und 50 Karat. Einige Diamanten, die Tavernier aus Indien mitgebracht hatte, sollten später berühmt werden: u.a. der Koh-I-Noor oder der "Hope"-Diamant, den er der Legende nach aus der Statue des indischen Gottes Wishnu gebrochen haben soll. Tavernier stieg an den europäischen Königshöfen auf zum angesehensten Diamantenexperten und -händler seiner Zeit. Es gab damals keinen großen Diamanten, den er nicht selbst aus Indien mitgebracht oder zumindest für die Fürsten begutachtet und vermessen hat.

Im 18. Jahrhundert erschöpften sich allmählich die indischen und indonesischen Minen. Als ein Portugiese auf der Suche nach Gold in Brasilien war, entdeckte er den ersten Diamanten außerhalb Asiens. Dieser Fund verursachte einen „Diamantenrausch“. Mitte des 18. Jahrhunderts löste Brasilien, damals portugiesische Kolonie, Indien als Diamantenproduzent ab. Fast 150 Jahre lang sollte es den Diamantenmarkt beherrschen bis seine Minen fast erschöpft waren.

Ende des 19. Jahrhunderts führte ein unglaublicher Zufall dazu, dass im Süden Afrikas am Oranje-Fluss Diamanten gefunden wurden. Ein Farmer entdeckte 1866 unter den Spielsteinen von Kindern einen auffällig glitzernden Stein, der sich später als lupenreiner Diamant von fast 22 Karat entpuppte. Doch erst durch den zufälligen Fund eines zweiten, noch größeren Diamanten, brach das Diamantenfieber in Südafrika aus. Der berühmte "Star of South Africa", wie man diesen Stein später nannte, ist heute Teil des britischen Kronschatzes. Die Buren, die damals im Tal des Oranje siedelten, blieben von dem einsetzenden Diamantenrausch unbeeindruckt. Einer von ihnen war Johann de Beers, er verkaufte sein Land an einen Agenten für die unglaubliche Summe von 6.000 Pfund (heute wären das rund eine halbe Millionen Euro). Fünf Jahre zuvor hatte er das karge Land für nur 60 Pfund gekauft. Das weitere Schicksal von De Beers ist unbekannt, doch sein Name sollte in der Welt der Diamanten Geschichte schreiben. Der Diamantenrausch schwemmte Glücksritter aus aller Welt in den Süden Afrikas – darunter zwei Engländer, die gegensätzlicher nicht sein konnten: Cecil Rhodes und Barney Barnato. Ihre abenteuerliche Geschichte um Reichtum, Macht und Einfluss sollte die Entwicklung des Diamantengeschäftes weltweit nachhaltig prägen - bis in unsere Gegenwart.

Auf der Weltausstellung in Philadelphia 1876 wurden erstmals mit Diamanten besetzte Steinsägemaschinen einer breiten Öffentlichkeit gezeigt. 1926 entdeckte man auch an der Atlantikküste Diamanten, und 1955 wurde schließlich der erste Diamant künstlich hergestellt. Den ersten Diamanten auf dem Meeresgrund fand man erst 1961. Heute ist Australien Hauptlieferant für Diamanten.

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