Diamanten -> Bearbeitung
Die Bearbeitung der Rohdiamanten ist erforderlich, da ein Rohdiamant nicht die Brillanz hat, die durch das Schleifen erst ermöglicht wird. Rohdiamanten besitzen eine natürliche Reflexion von nur 17%. Durch das Anlegen von Facetten (Schleifen) erhalten sie aber ein Vielfaches: das Leuchten und Funkeln wird verstärkt - das berühmte sogenannte "Feuer" des Diamanten entsteht.
Schon zur Zeit von Cellini war die Bearbeitung von Diamanten in 4 Schritte unterteilt:
- das Spalten des Rohdiamanten
- das Reiben der gespaltenen Teile
- das Schleifen
- das Polieren der Facetten
Mitte des 17. Jahrhunderts kam das Sägen des Rohdiamanten hinzu. Man hatte sich zuerst mittels eines feinen Eisendrahtes, der mit durch Öl gebundenes Diamantpulver beschichtet war, an diese schwierige Aufgabe herangewagt. Das war aber noch eine sehr mühselige und zeitaufwendige Technik, die oft mehrere Wochen in Anspruch nahm.
Erst zur Jahrhundertwende war mit der Erfindung eines dünnen, rotierenden Sägeblattes aus Phophorbronze der wesentliche Durchbruch in der Diamantbearbeitung gelungen. Hiermit gelang es, selbst nicht ganz optimal geformte Rohsteine mit geringstem Schleifverlust so zurechtzusägen, dass man auch aus ihnen noch ansehnliche Steine herstellen konnte. Hieraus ergeben sich folgende Schritte in der heutigen Diamantbearbeitung:
1. Das Markieren
Jeder Rohdiamant ist einzigartig. Deshalb muss jeder Stein sorgfältig untersucht werden, wie er mit dem geringsten Gewichtsverlust und der größten Reinheit auf die günstigste Weise bearbeitet werden kann. Mit einer Tuschefeder wird angezeichnet, in welcher Richtung der Diamant gespalten oder zersägt werden soll. Das Markieren erfordert große Erfahrung und hat als erster Bearbeitungsgang zu gelten.
2. Das Spalten oder Sägen des Rohdiamanten
Das Spalten findet dann statt, wenn aus einem Stein zwei oder mehrere Stücke gewonnen werden sollen, um Einschlüsse oder Unregelmäßigkeiten zu beseitigen. Ein roher Stein, der gespalten werden soll, wird mit einem schnell trocknenden Kitt auf dem Ende eines hölzernen Halters, der Doppe, befestigt. Mit einem anderen, scharfen Diamanten, der auf einem kleineren Halter befestigt ist, wird eine Kerbe gesetzt und der Stein mit einem kurzen Hammerschlag auf diese Klinge gespalten. Diese Bearbeitung findet parallel zur Wachstumsrichtung des Kristalls statt.
Mit dem Sägen wird der Rohdiamant entgegen seiner Wachstumsrichtung geteilt. Vor dem Sägen wird er wie beim Spalten befestigt. Die Doppe wird auf eine Sägemaschine montiert. Der Diamant wird gegen die mit großer Geschwindigkeit (15.000 bis 17.000 Umdrehungen pro Minute) drehende, senkrecht stehende Scheibe geführt und sehr langsam durchgesägt. Die hauchdünne Scheibe (0,04 bis 0,2 mm) aus Phosphorbronze ist mit einer Mischung aus Öl und Diamantenstaub beschichtet. Während des Sägens erneuert sich diese Beschichtung laufend aus dem Sägeschnitt.
Das Sägen von Diamanten geschieht sehr langsam, 2 mm pro Stunde sind es im günstigsten Fall. Es kann Tage, manchmal sogar Wochen dauern, bis ein großer Stein durchsägt ist. Das ist unter anderem auch abhängig von der Richtung des Schnittes.
3. Das Rundieren oder Reiben der gespaltenen Teile
Die dritte Stufe der Bearbeitung besteht darin, die Grundfläche des zersägten oder gespaltenen Rohdiamanten rund zu machen, d.h. die Rundiste anzulegen. Dadurch erhält der Stein mehr oder weniger die Form eines geschliffenen Diamanten. Zuvor wird der zurecht gesägte Diamant erneut mit Hilfe einer Doppe auf einer Reibmaschine aufgekittet. Der rohe Stein wird mit einem anderen Diamanten, der auf einem langen hölzernen Reibhalter befestigt ist, gerieben, wodurch der Diamant die gewünschte, abgerundetete Form erhält. Der dabei anfallende Diamantstaub wird abgesaugt und sorgfältig in einem kleinen Behälter gesammelt, um später beim Sägen oder beim Schleifen wieder verwendet zu werden.
4. Das Schleifen
Beim Schleifen von Diamanten legt man die Facetten an den Stein an. Dies geschieht mit einer Schleifzange mit verstellbarer Doppe. Der geriebene Stein wird in die verstellbare - in einem ganz bestimmten Winkel eingestellte - Doppe eingebettet und mit Hilfe der Zange auf die Schleifscheibe gedrückt. Diese ist eine sich waagerecht drehende gusseiserne Scheibe, die mit einer Mischung aus Öl und Diamantstaub beschichtet ist. Auf diese Weise bekommt man eine Facette mit einer bestimmten Form. Das Schleifen von Diamanten verläuft in zwei Stufen: zuerst findet das Kreuzwerk statt. Sowohl auf dem Oberteil (Bereich oberhalb der Rundiste) als auch auf dem Unterteil (Bereich unterhalb der Rundiste) schleift man die ersten vier Ecken. Danach fängt man zu brillantieren an. Durch das dauernde Verstellen der Doppe, werden hierbei die anderen Facetten auf die Kanten der ersten vier Facetten aufgebracht.
5. Das Polieren der Facetten
Während des Schleifens jeder der mit geometrischer Genauigkeit angelegten Facetten muss der Stein mit der Lupe mehrfach überprüft werden. Dieser Überprüfungsvorgang ist ausgesprochen zeitintensiv, er dauert länger als der eigentliche Schleifvorgang. Liegt die Facette richtig, dann wird sie im gleichen Arbeitsgang, aber auf einer anderen Umlaufspur der Schleifscheibe poliert.
Der Schliff, der bei Diamanten am häufigsten verwendet wird, ist der Brillantschliff. Dieser hat insgesamt mindestens 57 Facetten: die Tafel, 32 Facetten auf dem Oberteil und 24 Facetten auf dem Unterteil. Es gibt aber auch noch viele weitere moderne Schliffformen.
Auch im Diamantgewerbe ist die Entwicklung neuer Technologie zur Produktivitätssteigerung unentbehrlich geworden. Eine Verwirklichung auf diesem Gebiet ist die Entwicklung der automatischen Schleifmaschine. Der Computer spielt hier eine wichtige Rolle. Die Merkmale, die Abmessungen und die Form des Rohdiamanten und auch die des zu schleifenden Steines, den man als Resultat bekommen will, speichert man in den Computer. Das Resultat ist ein bestmöglicher Schliff mit Minimalverlust, wenn man alle Einschlüsse berücksichtigt.
Auch hat man damit begonnen, ein Stroboskop beim Rundieren zu verwenden. Der zu reibende Rohstein wird mit sehr kurzen Lichtimpulsen beleuchtet. Auf diese Weise bekommt das Auge den Eindruck, dass der Stein an einer Seite unaufhörlich beleuchtet wird und stillsteht. Diese Technik ermöglicht eine Kontrolle des Rundierens, wobei die Maschine nicht ausgeschaltet werden muss. Dadurch verkürzt sich die Bearbeitungszeit in diesem Arbeitsschritt erheblich.
Diamanten von 0,01 bis 10 Karat (Phantasieschliffe inbegriffen) können mit der automatischen Reibmaschine "Super Bruter" bearbeitet werden. Die Resultate mit diesem Apparat sind sehr befriedigend. Die Vorteile sind unter anderem eine höhere Produktivität, eine perfekte Rundiste und Gewichtsgewinn.
Auch der Laser wird mehr und mehr in die Produktion einbezogen:
Beim Spalten: Durch die Anwendung des Lasers für das Ritzen der Kerbe hat man auch hier die modernste Technologie eingeführt.
Beim Sägen: Eine neue Technik ist entwickelt, bei der Diamanten mit Hilfe von Laserstrahlen zersägt werden. Hierdurch wird eine gegenüber dem herkömmlichen Sägen viel bessere Ausbeute des Rohstoffes erzielt.
Fazit:
Die seit nahezu 500 Jahren unveränderte Technik des Diamant-Bearbeitens ist in jüngster Zeit deutlich in Bewegung geraten. Zu erwarten ist weiter fortschreitender Einfluss der Technik.





