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Mokume Gane: Von der Geschichte bis zur Vollendung

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(11/2007) Inspiration finden, sich anregen und begeistern lassen ist die Intension und zugleich Triebfeder des kreativen Schaffens der Brüder Wiesner aus Beilstein. Ihr Ziel ist, Inspiration und Begeisterung durch ihre Kreationen zu wecken.

Auf der Suche nach einer neuen Idee in Form und Farbe, einem Stil, der die vorherigen vorwiegend kantigen und kühlen Ausdrücke vieler Kollektionen ablösen sollte, sind die zwei Wiesners auf Mokumé Gane gestoßen. Nach einiger Auseinandersetzung mit dieser „neuen alten“ Technik aus Japan, wuchs stetig die Begeisterung über die Vielfältigkeit, Individualität und der natürlich anmutenden Strukturen.

Markus Wiesner
Gold- und Silberschmiedemeister
Mokumé Gane Goldschmied

Michael Wiesner
Betriebswirt (VWA) – Möbelschreiner
Entwurf von Schmuckkollektionen

Mokume-Gane heisst frei übersetzt: holzgemasertes Metall

Mokumé Gane

Die Geschichte der in sich gemusterten Metalle begann vor langer Zeit mit der Suche nach einem besseren Werkstoff für Schwertklingen. Die Europäer fanden Säbelklingen aus besonders hochwertigem Stahl erstmals in Damaskus (heute Hauptstadt von Syrien), dem Handelszentrum des Mittelalters. Von den Kreuzrittern fälschlicherweise als Damaszenerstahl ("Damaststahl") bezeichnet, fiel dieser Werkstoff sowohl durch überragende Festigkeit und Federkraft als auch durch seine prächtigen, geflammten Wellenmuster auf. Cassiodor, ein römischer Gelehrter aus dem 6. Jahrhundert, beschrieb diese Waffen als " ....Schwerter von Vulkan geschmiedet ... nicht die Arbeit eines Sterblichen, sondern das Werk eines Gottes". Die Herstellung von flammig gemusterten Stahlklingen durch Feuerschweißen scheint sich in mehreren Regionen Europas und Asiens unabhängig entwickelt zu haben. Bereits die altnordischen Sagen erwähnen lamellierte Klingen, deren mystische Namen die jeweiligen Muster beschrieben. Derartige Schwerter hat man bei archäologischen Grabungen auch in römischen Fundstätten aus dem 2. Jahrhundert entdeckt. Diese Schmiedekunst fand ihren Höhepunkt im Kris - dem geschwungenen malaiischen Dolch des 13. Jahrhunderts. Feuergeschweißter Stahl entstand hier durch Verschweißen von sandwichartigen Paketen aus Stahl und Weicheisen. Nach mehrmaligem Falten, neuerlichem Schmieden und abschließendem Ätzen erschienen gut sichtbare Muster. Laminierter Rohstahl erschien im 1. vorchristlichen Jahrhundert erstmals in China. Die Japaner, deren Schmiedekunst - wie ihn Samurai-Schwerter zeigen - unerreicht war, entwickelten das Verfahren des Laminierens von Stahl bis zur Perfektion weiter und nannten das Metall Mokume-Gane. Die ausgefeilten Verfahren basieren darauf, dass man das Eisen faltet und während des Verschweißens mit Kohlenstoff anreichert.

Mokumé GaneVon der Literatur her ist der Waffenschmied Denbei Shoami (1651/1728) aus Akita (Japan) bekannt, der außergewöhnliche Arbeiten aus Stahl ebenso wie kunstvolle Verzierungen, Intarsien und Gravierungen in Schwertscheiden sowie Klingen herstellte. Man weiß, dass Shoami von alten chinesischen Lacktechniken mit Linienmuster (= Guri) inspiriert wurde, bei denen Muster aus dicken Lagen von verschiedenfarbigen Lackschichten heraus graviert wurden. Auch durch den Damaszener Stahl beeinflusst, entdeckte er, dass nichteisen Platten sich miteinander verbinden lassen, um Muster hervorzurufen, die den Lackarbeiten ähnelten. Seine älteste Arbeit in Mokume Gane ist in dem Kizuka Schwertgriff zu sehen; er verwendete die Materialien Gold (Kin), Silber (Gin), Kupfer (Suaka) und die Legierung Shakudo. Viele der alten Samurai-Schwerter haben als Handschutz und als Schwertabschluss Mokume-Gane-Arbeiten.

Warum ist Mokume Gané ausserhalb von Japan weitgehend unbekannt?

Es zeichnen sich zwei Gründe dafür ab:

  • Japan war bis 1853 eine isolierte Insel. Wissen und Können japanischer Handwerker und Künstler waren gut behütete Geheimnisse. Zudem war Mokume-Gane eng verknüpft mit alten Traditionen (Samurai-Schwerter) und ausschliesslich für diesen Zweck bestimmt. 
  • Im Westen entwickelte sich (auch im Schmuckbereich) die industrielle Revolution. Emotionen, alchemistisch anmutendes Handwerk war verpönt. Alles war machbar, musste aber schnell, rationell und billig hergestellt werden. Massenware war angesagt.

Obwohl Richtungen wie Jugendstil und Konstruktivismus nicht spurlos vorübergegangen waren, blieb die traditionelle Position des Schmuckes als dekorative Geldanlage so gut wie unangetastet. Erst in den sechziger Jahren war die Zeit für einen Umschwung reif, und auch der Schmuck fand Anschluss bei den aktuellen künstlerischen Entwicklungen. Der Radikalismus einer Handvoll Erneuerer zielte in erster Linie auf die Autonomie der Kunstform. Nach einer Periode unter dem Motto "back to basic" (Funktionalität anstelle bloßer Verzierung) griff in den siebziger Jahren das Experiment mit allen möglichen Materialien, Stilen und Techniken um sich. In dieser Periode wurden in den USA das Mokume-Gane wieder entdeckt und mit wissenschaftlicher Gründlichkeit weiterentwickelt.

Ein breiter Erfolg blieb dieser Technik jedoch versagt. Die arbeitsintensive und ziemlich teure Technik des Mokume-Gane verlangt einen erheblichen Einsatz an Zeit und Material. Hier rächt sich der paradoxe Umstand, dass der Schmuckgestalter wie ein Handwerker aus früheren Zeiten in seinem Atelier zeitaufwändig von Hand arbeitet während traditioneller Schmuck als Massenware in Fabriken hergestellt wird.

MOKUMÉ GANE TRAURINGE

Gefaltet und verschweisst, aus einem Stranggeschmiedet, einander ähnlich und doch nichtgleich, ein Paar Mokumé Gane Trauringe -einmalig. Fließend weiche Strukturen,erschaffen mit Leidenschaft undBegeisterung fürs Handwerk.

Am Anfang

durch verschweissen verschiedener Metallplatten wird das Ausgangsmaterial geschaffen. Die Basis für Mokume Gane entstehtdurch die Verschweissung von dünnen Platten verschiedener Metalle oder Legierungen mit kontrastierenden Farben, ohne Lot und Flussmittel. Es müssen Metalle sein, die ähnliche metallurgische und verarbeitungstechnische Eigenschaften haben.

Mokume-Gane
schleifen der Metallflächen
Mokume-Gane
entfetten der Metallflächen
Mokume-Gane
eingespannter Blechstapel während des Verschweissens im Ofen

Verschweissen im Ofen:

Dicht am Schmelzpunkt verschweissen sich die Metall miteinander.

Die Verschweissung erfolgt durch Hitze und Druck, wodurch eine Bewegung und Vermischung der Metallmoleküle an den Korngrenzen der Berührungsflächen hervorgerufen wird. Es entsteht eine neue molekulare Kristallstruktur im Grenzbereich der Metallplatten. Charakteristisch für den Verschweißungsprozess ist, daß die Verschweissung bei einer Temperatur vonstatten geht, die wenig unter dem Schmelzpunkt der Metalle liegt.

Mokumé Gane 
Spannvorrichtung beim Verlassen des Offens
Mokumé Gane 
Fertig verschweisster noch eingespannter Mokume-Barren

Glühen im Grenzbereich

Nach dem Verschweissen im Ofen wird er Mokumé Gane Barren mit der offenen Flamme geglüht und geschmiedet.

Der Mokumé Barren wird auf Maß geschmiedet. Was jetzt folgt ist eine nahezuendlose Prozedur von abwechselndem glühen und schmieden des Mokumé Gane Barrensum das Metall in seiner Struktur weiter zu verdichten und die Verschweißungen weiterzu festigen. Dabei wird der Barren gleichzeitigauf das, für das jeweilige Schmuckstückerforderlichen Dickenmaß gebracht.

Mokume Gane
deutlich erkennbar sind die Schichtungen der Metalle
Mokume Gane
die Oberfläche zeigt noch die Spuren des Schiedehammers
Mokume Gane
abschließendes Glühen

Nachdem vom Mokumé Gane Barren ein Längsstreifen gesägt wurde, beginnt nun die Vorbereitung für die Musterung der zu fertigenden Trauringe. Der Streifen, welcher noch quadratischen Querschnitts ist wird nun rund geschmiedet. Nachfolgend wird der runde Strang dann verdreht (tordiert) um später die typischen weichen holzartigen Strukturen zu erhalten. Hierbei besteht ständig das Risiko, dass die Schichten sich voneinander lösen. Daher erfordert dieser Arbeitsgang viel Fingerspitzengefühl und ständiges zwischenglühen des Materials um die Metalle und Verbindungen wieder zu entspannen. Das Muster lässt sich an dieser Stelle durch Variationen der Tordierung beeinflussen.

Mokume Gane
tordieren des Stranges
Mokume Gane
es zeichnen sich deutliche Torsionsmuster ab.
Mokume Gane
Rundschieden des Stranges

Der tordierte Strang wird wieder zu einem quadratischen Querschnitt gewalzt. Auch hier muß immer wieder gelüht werden um ein aufreißen zu vermeiden.

Mokume Gane

Sägen, spleissen, dornen; Endlos sollen die Ringe sein

Um die Endlosigkeit der Ringe zu erlangen, deren Symbolkraft besonders bei Trauringen erwünscht ist, wird an dieser Stelle ein ganz besonderes und aufwändiges, traditionelles Verfahren eingesetzt.

Das Aufspleißen des Stranges. Für jeden der beiden Trauringe werden zwei kleine Löcher in den Strang gebohrt, welche dann durch einen Sägeschnitt verbunden werden. Je nach erforderlicher Ringweite werden die Sägeschnitte unterschiedlich lang gewählt. Mittels verschiedener Meiselwerkzeuge werden nun die Schlitze aufgeweitet. Auch hierbei ist ein ständiges zwischenglühen erforderlich. Die dadurch entstandenen Löcher im Strang werden dann auf dem Ringdorn rund geschmiedet. Die erste Ringform wird sichtbar.

Mokume Gane
sägen der Schlitze
Mokume Gane
gesägter Schlitz
Mokume Gane
aufspleißen
Mokume Gane
aufspleißen
Mokume Gane
rundschieden der einzelnen Ringe
Mokume Gane
erste Ringformen werden deutlich

die Überstände werden abgesägt

Die Maßarbeit

Nun werden die Ringe in unserer Werkstatt auf die erforderlichen Maße gebracht. Nach grobem Überdrehen, um einen einwandfreien Tragekomfort und die richtige Ring höhe zu erhalten, werden die Mokumé Gane Trauringe jetzt auf die individuelle Ringweite des Brautpaares angepasst. Die Ringe, welche von Anfang an mit einem Übermaß bemessen sind, werden hierfür in einer Spindelpresse auf die richtige Größe gepresst.

Mokume Gane
Überdrehen der Öberfläche
Mokume Gane
pressen auf die erforderliche Ringweite

Das Finish

Durch Feilen und Schleifen bekommen die Trauringe das gewünschte Aussen- und Innenprofil.

Für ein angenehmes auf- und abstreifen der Ringe über das Fingergelenk, wird die Innenseite der Ringe hochglanzpoliert. Die weiche holzmaserige Struktur der Mokumé Gane Trauringe wird an der Aussenseite der Ringe häufig durch ätzen hervorgehoben. Es ensteht hierbei durch Abtragen nur einzelner Metallschichten eine reliefartige Oberfläche die die feinen Linien deutlicher erscheinen lässt. Am Ende der Bearbeitung steht die Gravur der Vornamen und Hochzeitsdaten des Brautpaares.

Mokume Gane
Feilen der Ringflanken
Mokume Gane
Schleifen der Ringinnenseite
Mokume Gane
polieren der Ringinnenseite

Diverse Bilder von Trauringpaaren

Mokume-Gane
Mokume-Gane
Mokume-Gane
Mokume-Gane
Mokume-Gane
Mokume-Gane

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.wiesner-schmuck.de
www.mokume-gane-trauringe.de

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